Die Künste [...] lehren, daß das Gras nicht nur grün ist, sondern lavendelfarben, grau, golden. Und wenn es grün ist, dann sind die Abstufungen des Grüns unendlich. In den Künsten bilden Form und Inhalt ein unzertrennliches Ganzes. In der Art, wie Inhalt und Form miteinander verschmelzen, besteht die Wirkung, die ein Kunstwerk auf uns hat.
— Manfred Schewe

Wozu das Theater?

Mit Theater verbindet jede und jeder von uns etwas Anderes.

Für mich und meine Arbeit bedeutet es, nicht nur eine Rolle vor Publikum zu spielen, sondern vielmehr körperlich bewusster zu werden und sich ganz anders mal auszuprobieren. Es werden bei verschiedenen Warm-Up Übungen, die man teils aus dem Yoga kennt oder auch aus einem Sportkurs sowie dem Chor, Körper und Stimme trainiert. Auch der Kopf wird bei verschiedenen Übungen und Szenenentwicklungen unheimlich gefragt! Gedichte von Heine, Morgenstern und Goethe, Märchen, abstrakte und klassische Kurzdialoge werden diskutiert, stimmlich und szenisch ausprobiert, präsentiert sowie reflektiert und teils in die Alltagssprache übersetzt, wodurch insgesamt die eigene Wahrnehmung sensibilisiert wird.

Auch der vermeintliche Maßstab, immer alles gleich richtig zu machen oder zu sagen, weicht beim Spiel auf. Es geht erstmal darum, überhaupt ins Tun zu kommen, dabei total viel Spaß miteinander zu haben, sich von den Ergebnissen überraschen zu lassen und nach und nach immer kreativer und lebendiger zu werden! Mit der Zeit sieht, hört, spricht und denkt man anders. Irgendwie weiter und bunter. Der eigene Alltag verändert sich…

Und man begegnet sich in der Gruppe immer wertschätzender. Man lernt sich tatsächlich und echt kennen. Die vermeintlichen Rollen und kulturellen Hintergründe werden immer egaler und scheinen sich aufzulösen.

Man beginnt, Sprache zu genießen und auf der Zunge regelrecht zu schmecken. Dadurch, dass ein Wort wie ’Sonne’ z.B. mit einer Geste verbunden wird, die bei jedem und jeder unterschiedlich sein kann, schließlich ein ganzer Satz rhythmisiert wird, sodass ein ganzes Orchester im Klassenzimmer erklingt, wird Sprache über fast alle Sinne erfasst und bleibt kein Konstrukt im Buch.

Theaterspiel bedeutet also nicht nur, dass ein dramatischer Text auf der Bühne gesprochen wird, sondern

  • ist in verschiedenen Formen möglich

  • beleuchtet Text und Sprache vielschichtig und ganzheitlich

  • macht Sprache und Text erfahrbar, auch in ihrer Ästhetik

  • schafft durch Rollenarbeit einen Schutzraum und eröffnet neue Perspektiven

  • macht Mehrdeutigkeiten sichtbar

  • stärkt das Selbstbewusstsein

  • hilft, Sprechhürden zu überwinden

  • stärkt die Gruppengemeinschaft

  • löst positive Emotionen (u.a. durch Kooperation und Flow-Erlebnisse im Spiel) aus, sodass sich unser Gehirn (unser Mandelkern/limbisches System) entspannt und aufnahmebereiter ist

  • verbindet positive Emotionen mit Bewegung, was die Dopamin-Ausschüttung aktiviert, was ebenfalls den Lernprozess unterstützt

  • unterstützt durch die Kombination von sich wiederholenden Bewegungen und dem entsprechenden Wort (z.B. trommeln) unser Gehirn beim Einordnen der Begriffe

(vgl. hierzu Michaela Sambanis (2013): Fremdsprachenunterricht und Neurowissenschaften. Narr Studienbücher)

Na, neugierig? Dann schreiben Sie mir bzw. schreib mir! 

E-Mail: ahensel@posteo.de

P.S.: Die Du-Form ist im Theater/in der Theaterpädagogik üblich. Sie verhilft zu einem persönlicheren Miteinander. Zudem habe ich mich in Spanien sehr daran gewöhnt, zu duzen. Da es in unserer deutschen Kultur jedoch nicht sehr üblich ist, schnell zu duzen, wollte ich die Sie-Form beibehalten, bin aber für das Du offen.